Ob im Wurmkomposter, im klassischen Gartenkomposthaufen oder im Mistkomposter – die Frage ist immer dieselbe: Warum riecht das komisch, warum tut sich nichts, oder warum ist alles nur noch eine nasse, klebrige Masse?
Meistens steckt dahinter kein Geheimnis, sondern simple Chemie: das C/N-Verhältnis, also das Verhältnis von Kohlenstoff (C) zu Stickstoff (N) in deiner Mischung.
Kurz erklärt: Was ist das C/N-Verhältnis?
Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Kompostwürmer brauchen für ihre Arbeit beides – Kohlenstoff als Energiequelle, Stickstoff zum Wachsen. Stimmt das Verhältnis nicht, gerät der Prozess aus dem Gleichgewicht:
- Zu viel Stickstoff (zu viel „Grünes“ wie Rasenschnitt oder Küchenabfälle) → das Gemisch wird nass, matschig, riecht faulig, zieht Fliegen an.
- Zu viel Kohlenstoff (zu viel „Braunes“ wie Laub, Pappe oder Sägespäne) → nichts passiert, der Abbau kommt fast zum Stillstand.
Das Ziel ist ein ausgewogenes Verhältnis – und das ist je nach Kompostierungsart leicht unterschiedlich:
- Wurmkomposter: reagiert am empfindlichsten. Zu feucht und stickstoffreich, und die Würmer haben ein Problem.
- Gartenkomposthaufen: der Klassiker, etwas toleranter, verzeiht auch mal einen unausgewogenen Eimer.
- Mistkomposter: bringt durch die Einstreu meist schon viel Struktur mit, trotzdem lohnt sich der Blick aufs Verhältnis.
Rechnen statt raten
Bisher musstest du das aus dem Bauch heraus einschätzen – „sieht doch grün genug aus, oder?“ Ab sofort geht’s genauer: Mit unserem neuen C/N-Rechner gibst du einfach ein, was und wie viel du in den Kompost gibst (in Handvoll, Schalen, Litern oder ganzen Schubkarren), wählst deine Kompostierungsart – Wurmkomposter, Gartenhaufen oder Mistkomposter – und bekommst sofort dein Verhältnis angezeigt. Passt es nicht, sagt dir der Rechner direkt, was du nachlegen solltest.
Hinweis: Eierschalen sind mineralisch und beeinflussen das C/N-Verhältnis kaum, daher nicht in der Liste enthalten – sie können unabhängig davon (in kleinen Mengen, am besten zerkleinert) beigegeben werden.
Probier’s an deiner nächsten Fuhre aus – und schreib uns, ob sich dein Kompost seither besser benimmt.
Was darf überhaupt in den Komposter?
Auch das beste C/N-Verhältnis nützt nichts, wenn falsches Material im Eimer landet. Als Faustregel für Wurmkomposter, Gartenhaufen und Mistkomposter gilt:
Erlaubter Biomüll
- Obst- und Gemüsereste (roh, ungewürzt)
- Kaffeesatz und Teebeutel (ohne Plastik-Clip/Folie)
- Eierschalen (zerkleinert)
- Laub
- Stroh
- Rasenschnitt
- Häckselgut
- Karton
- Zeitungspapier (mässig bedruckt, keine Hochglanzpapiere)
- Brotreste in kleinen Mengen
Abfälle die tabu sind
- Gekochtes, stark gewürztes oder mit Öl/Essig angemachtes Essen
- Fleisch, Fisch, Milchprodukte (Fäulnis, Ungeziefer)
- Zitrusfrüchte und Zwiebeln in grossen Mengen (besonders für Wurmkomposter problematisch)
- Kranke oder mit Pestiziden behandelte Pflanzenreste
- Kunststoffe, Katzenstreu, Windeln, Glanzpapier
Damit du diese Übersicht nicht jedes Mal nachschlagen musst: Unsere Infokleber fassen genau das kompakt zusammen und lassen sich direkt auf den Komposter oder Küchen-Eimer kleben – so weiss jeder im Haushalt auf einen Blick, was rein darf und was nicht.
Quellen
Die im C/N-Rechner verwendeten Richtwerte orientieren sich an folgenden Fachquellen:
- Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. (BGK): Zielbereich C/N 25–30:1 für gütegesicherten Kompost; Auswertung der Kompostanalysen Deutschland 2021. kompost.de
- Helm, M. (im Auftrag der Bayerischen Landesanstalt für Landtechnik): Prozeßführung bei der Kompostierung von organischen Reststoffen aus Haushalten, KTBL-Schrift 371, Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL), Darmstadt. mediatum.ub.tum.de/doc/820251
- Umweltbundesamt (UBA): Bioabfallkomposte und -gärreste in der Landwirtschaft, Position, Januar 2017.
- MA 48 Wien / Bio Forschung Austria (2024): C/N-Untersuchungen der Ausgangsmaterialien am Kompostwerk Lobau, Wien.
- Joanneum Research im Auftrag des Amts der Steiermärkischen Landesregierung (1997): Kompostierung von Biomüll, Verwendung des Kompostes in der Landwirtschaft, Studie FA19D.
Die Angaben im Rechner sind für die Hobby-/Kleinkompostierung vereinfachte Näherungswerte und ersetzen keine Laboranalyse des tatsächlich verwendeten Materials.
0 Comments for “Warum dein Kompost stinkt oder einfach nicht will: Der Grund heisst C/N-Verhältnis”